Geschichte

Der Ringelfelsen und seine Geschichte

Ringelfelsen, so heißt diese markante Felsformation, die sich am Nordhang des Heidelberges auf 650 Metern über dem Meer über eine Fläche von grob einem Hektar erstreckt und von Westen her dezent ansteigen aus dem Abhang wächst um dann an der Wand nach Osten hin unvermittelt als Überhang abzubrechen. An den südlichen und nördlichen Enden endet sie ebenfalls recht abrupt. In der Nähe sind rund herum weitere kleinere Felsstufen im Wald zu finden bis hinunter zum unteren oder kleinen Ringelfelsen.

Der Ringelfelsen in Nahaufnahme

Der Ringelfelsen besteht aus Gestein aus den Kindertagen unserer Erde. Dieser Phyllit entstand im Erdzeitalter des Kambriums (Paläozoikum) vor ungefähr 541 bis 485,4 Millionen Jahren. Damals begann gerade das Leben auf der Erde in seiner einfachsten Form zu explodieren. Es entstanden in der sog. Kambrischen Explosion infolge veränderter Umweltbedingungen im Meer fast alle heutigen Tierstämme.

Der Ringelfelsen gehört geologisch zum Waldsassener Schiefergebirge. Diese Gesteine erstrecken sich im Osten in Tschechien fast bis hin nach Stara Voda, laufen dann östlich des Bergrückens des Tillenberges auf  tschechischem Gebiet über die Erhebung des Schopfes bis zur Nikolauskirche und von dort aus nach Süd-Westen Richtung Wondreb, das auch den südlichsten Punkt des Vorkommens markiert. Im Norden reicht es bis nach Oberfranken hinein, wo der Röslaudurchbruch „Gesteinigt” bei Arzberg mit der Sonderform der „Arzberger Serie” den Abschluss bildet. Die meisten oberirdischen Felsformationen im Gebiet der Marktgemeinde Neualbenreuth bestehen aus diesem mit Quarz durchzogenen Granitschiefer. Diese Quarzgänge waren zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert auch für die regionalen aber bescheidenen Goldfunde verantwortlich. Schürfspuren gibt es am Ringelfelsen keine, wohl aber am nahen Gipfel des Heidelberges.

Der Ursprung des Namens Ringelfelsen liegt in der historischen Besonderheit der „Frais”, mundartlich auch „Fraisch” genannt. Wegen Grenzstreitigkeiten zwischen dem Stift Waldsassen und der Reichsstadt Eger wurde 1591 ein Vertrag zwischen den beiden Parteien geschlossen, der die Gerichtsbarkeit innerhalb des umstrittenen Gebietes regeln sollte. Die Wälder rund um den Ringelfelsen, ein Teil davon trägt den Namen „Schachtener Dorfhölzer”, gehörte in Folge dessen mit Schachten zur Wechselfrais, wobei das Dorf selbst eigentlich klösterlicher Besitz war. Viele der heutigen Grenzverläufe entstammen dieser Zeit, die erst im Zuge des Wiener Vertrages 1862 ihr Ende fand. Sie waren stark geprägt von den landschaftlichen Gegebenheiten wie beispielsweise Bergrücken, Steilhängen, Bach- und Flussläufen oder Altstraßen.

Der Ringelfelsen lag im Frais’schen, auf einem Geländestreifen abgegrenzt im Osten und Süden vom egerischen Schloss Ottengrün und dessen Waldungen sowie dem Egerer Stadtwald und im Westen und Norden von den Wäldern des Stiftes Waldsassen. Dieser von Nordosten nach Südwesten verlaufende Landschaftsstreifen von ungefähr 1000 m Breite verengte sich der Landschaftsformation angepasst zum Ende hin stark auf kaum mehr als 10 m über eine Quellschüttung hinaus bis fast zum Sattel zwischen Birken- und Heidelberg.

Der Sattel zwischen Birken- und Heidelberg mit Blickrichtung Ringelfelsen.

Die Besitzveränderungen durch die Säkularisation bewirkten, dass der Stiftswald zum Staatsforst wurde. Der Egerer Stadtwald wurde 1862 in seinen Grenzen festgeschrieben, die auch heute noch gelten. Die angrenzenden Wälder des Ottengrüner Schlosses sind mittlerweile ebenfalls zum größten Teil im Besitz des Staatsforstes. Waren früher die dazwischen liegenden „Schachtener Dorfhölzer” zwischen den Höfen im Dorf aufgeteilt, haben viele zwischenzeitlich mehrere Besitzerwechsel hinter sich und beschränken sich nicht mehr auf Schachtener Besitz. Geblieben ist, dass sich der Wald in Privatbesitz befindet.

Genau diese Tatsache des sich verengenden Grundstücksstreifens zwischen verschiedenen herrschaftlichen Besitztümern legte die Basis für den Namen. Der verständliche althochdeutsche Begriff „rein” beschreibt den Rain, die Schutzwehr, oder Ackergrenze aber auch den (Gras-) Streifen zwischen zwei Äckern oder Fluren sowie ein Übergang zwischen einer Feldterasse zur nächsten. Für diese Namenswurzel spricht auch der Name des ehemaligen Grenzmals der „Rainbuche” am Ende dieses Geländestreifens, die schon in 200 Jahre alten kartographischen Quellen namentlich verzeichnet ist und daher damals schon ein stattlicher Baum gewesen sein muss.  Mittlerweile ist sie gefällt und nur der verbliebene Stumpf und der nebenstehende „moderne“ Grenzstein markieren noch die Stelle.

Hier am Ende des Geländestreifens stand die Rainbuche – Der Stumpf ist in der Bildmitte noch sichtbar.

Des Weiteren läßt sich feststellen, dass eben jener Grundstücksstreifen auch im Gelände optisch einen Einschnitt oder Rinne mit einem Bachlauf fast hinauf bis zum Sattel von Birken- und Heidelberg darstellt, was man sowohl im Wald, als auch mit Blick von draußen auf den selben feststellen kann. Hier kommt der ebenfalls althochdeutsche und immer noch verständliche Begriff „rinna” zum tragen. Er beschreibt, wie es sich auch im heutigen Sprachgebrauch noch vermuten läßt, eine Rinne, Wasserleitung oder aber auch einen Wasserfluss, Quell oder Wasserrinne.

Die Quelle dient etwas unterhalb ihrer Schüttung auch heute noch als Trinkwasserspender.

Letztendlich vereint das Bächlein selbst wohl beide  Namenswurzeln in sich, da es selbst auch als natürliche Grenze verschiedener Grundstücke diente. Es ist also sowohl eine Wasserrinne als auch Grenze zwischen verschiedenen Flurstücken.

Aufgrund dieser Namenszusammenhänge hatte wohl die Quelle in diesem Rain oder dieser Rinne den Namen „Rinelbrunnen” erhalten und eine nahe gelegene Waldlichtung den Namen „Rinnlwiesen”. Diese beiden Begriffe lassen sich belegen. Der Namen für die Felsformation existierte damals vermutlich noch nicht oder war zu unbedeutend um erfasst zu werden, ganz im Gegensatz zu anderen Landmarken, die damals schon konkret dokumentiert waren. Die Verklärung der Natur durch die kulturgeschichtliche Epoche der Romantik sowie das neue Freizeitverhalten des Bürgertums kreierten erst im ausgehenden 19. Jahrhundert teilweise phantasievolle Namen für noch Unbenanntes in Wald und Flur.

Im Wiener Vertrag vom 26. Juni 1862 wird beschrieben, dass „am Tillenberg die Grenzlinie vom Rimmelbrunnen bis zum Königstein berichtigt wurde”. Es gab zwei Bereiche des Egerer Stadtwaldes. Einer begann an der Westflanke des Tillenberges in der Nähe des schon damals wichtigen natürlichen Grenzmales des Königsteins, der andere Teil endete unweit genau dieses „Rinelbrunnens“. Da es im ganzen Frais-Gebiet keine weitere Quelle mit nur annähernd ähnlichem Namen gab, kann man davon ausgehen, dass auch hier der „Rinelbrunnen“ gemeint war.

Der Königstein am Westhang des Tillenbergs.

Genau genommen lag diese Quelle sogar auf der ehemaligen Grenze zwischen Frais-Gebiet und Egerer Besitz. Gehörten die Fluren nördlich der Quelle nach Schachten waren die südliche angrenzenden Grundstücke im Besitz des Ottengrüner Schlosses und das wiederum war egerisch. Somit drückt der Passus im Wiener Vertrag auch aus, dass der Ottengrüner Besitz 1862 bayerisch wird und sich damit die „Grenzlinie“ zum Egerer Besitz, dem jetzigen Egerer Wald, nach Süden  verschiebt, also „berichtigt wurde“.

So kommt dem Brunnen, ergänzend zur den bereits genannten Namensdefinitionen, an seiner Schüttung noch die historische Bedeutung einer Jahrhunderte alten natürlichen Grenzmarke gleich der Rainbuche und dem Königststein zwischen zwei Herrschaftsbereichen zu. Der damit abgegrenzte Geländeeinschnitt (Rinne) und als auch einem Geländestreifen (Rain) von gut 300 m Länge und 10 bis 20 m Breite, zugehörig zur Frais, nördlich beschnitten durch den Besitz des Stiftes Waldsassen und nach der Säkularisation von Bayern, südlich abgegrenzt durch des Besitz der Stadt Eger.

Die verschiedenen Schreibweisen lassen sich durch damals noch nicht unbedingt exakt fixierten Namen begründen, so wie in Schreib- und Lesefehlern und unterschiedlichen mündlichen Überlieferungen. Solche Differenzen gab es selbst in den Tauf- und Sterbebüchern dieser Zeit.

Möglicherweise wurde genau durch diesen Umstand dann im Sprachgebrauch der einfacheren Artikulierung wegen aus den Abfangsilben „Rinel-”, „Rinnl-” und „Rimmel-” der „Ringel-”.

Unweit dieser historisch Stelle, gerade mal 150 m entfernt,  tritt, größer, höher und mächtiger als an anderer Stelle das Millionen Jahre alte Gestein des Kambriums zu Tage. Dass eine „unbedeutende Felsformation“, die man landläufig früher mit „Stein” bezeichnete, in der Nähe einer bedeutenden und lebenswichtigen Wasserquelle sich namentlich auf diese bezieht liegt nahe.

Dieser Ausschnitt aus einer historischen Karte der Bayerischen Vermessungsverwaltung zeigt Lage, Grenzverläufe und Namen.

So wurde aus dem (großen) Stein beim Rinelbrunnen, orthographisch korrigiert „Rinnlbrunnen“, der Ringelstein. Ringelstein ist der erste neuzeitliche Namen, der sich immer noch sowohl in aktuellen Straßen- und Wanderkarten, als auch in der Bezeichnung örtlicher Vereine wiederfindet. Die letzte umgangssprachliche Anpassung hat letztendlich weniger spektakulär den Stein zum Felsen werden lassen: dem Ringelfelsen.

Der Ringelfelsen ist seit denkbarer Zeit ein markanter Wanderpunkt unmittelbar am Heidelberg. Um vom Westen des Stiftlandes die bekannten Wanderziele Egerer Waldhäusl, Alter Herrgott, Nikolaus-Kirche, Altmugl, die kleine Kappl oder sogar den Tillenberg zu erreichen, wurde immer der Wald am Heidelberg durchquert und der abwechslungsreichste Weg lief hier vorbei an diesem Felsen als natürliche Markierung und Landmarke.

Durch das geänderte Freizeitverhalten im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Natur von der umliegenden Bevölkerung bei Tagesausflügen völlig neu erlebt. Nach dem Krieg 1946 entdeckten auch junge Burschen dieses besonders schöne Fleckchen Erde wieder und entschlossen sich ein Jahr später hier anstatt der existierenden Sitzgruppe und des Stangenverschlages mit Stroh für Übernachtungen eine Unterkunftshütte notdürftig zu errichten. Nachdem diese Raststätte von den durchziehenden Wanderern immer mehr angelaufen wurde, hat man ständig daran verbessert und vergrößert, so dass nach einigen Jahren eine stattliche Blockhütte daraus wurde. Durch ein Feuer mit unbekannter Ursache brannte diese inzwischen von den Waldsassener Naturfreunden erworbene Hütte an Allerheiligen 1968 völlig ab. Nach schwierigen Verhandlungen mit dem Privatbesitzer und der Forstverwaltung entschloss sich der Verein im Jahr darauf zum Bau einer gemauerten Hütte, der heutigen Ringelfelsenhütte.

Seit 1969 zeigt sich die jetzige Hütte am Ringelfelsen von ihrer schönsten Seite.

Die bekannteste Veranstaltung am Ringelfelsen war früher die Waldlermesse in deren Zusammenhang er sein markantes Kreuz erhielt. Sie lockte jährlich hunderte von Menschen an diese Stelle, wo unterm Felsen ein feierlicher Gottesdienst abgehalten wurde. Im Anschluss daran wurde ein Waldfest abgehalten. Des erste Birkenkreuz (1977 – 2011) wurde im Jahr 2015 erneuert.

Der „Rinnlstein beim Rinnlbrunnen“ – ein kleines Stück Geschichte im Stiftland.