Reichsburg und Sommersitz

Reichsburg und Sommersitz
Michael Rückl, Mediendesign & Medientechnik

Das Schloß Hardeck leuchtet schüchtern in der abendlichen Frühjahrssonne. Nur wenn die Bäume kein Laub tragen kann man den massigen zweigeschossigen Bau mit dem wuchtigen Walmdach aus der Ferne halbwegs gut erkennen.

Der Vorgänger des jetzigen Schlosses war eine mittelalterliche Burganlage, vermutlich sogar ein früher Turmhügel mit einer Motte. Die ehemalige Reichsburg, 1238 erstmals erwähnt, gehörte einst zum Burgenkranz der Staufer um die Kaiserburg in Eger. Vermutlich diente die Burg als egrischer Ministerialsitz und Befestigung gegen räuberische Wenden. Der Name lässt auf eine frühe Entstehung schließen. „Hard“ ist eine alte Bezeichnung für Wald, die später nicht mehr vorkommt, „eck“ bedeutet eine befestigte Anlage. 1316 wird die Befestigung als „castrum Hardekke“, 1434 als „veste Hardeck“, und als „munitio Hardeck“ bezeichnet.

Als folgende Besitzer werden in den Chroniken die Herren von Liebenstein, die Falkenberger und Leuchtenberger genannt. Eine gesicherte Erwähnung von Hardeck stammt aus dem Jahr 1298. Das aufstrebende Stift Waldsassen erwarb damals die Burg Liebenstein und „alles, was den Liebensteinern in Waldsassen, ferner alles, was ihnen zwischen Hardeck und Liebenstein gehört“. Im Jahr 1316 wurde dann die Burg Hardeck selbst samt zugehörigen Dörfern und Rechten von den Leuchtenbergern an das Kloster Waldsassen verkauft.

Nach den Wirrungen der Reformation und Gegenreformation regte sich wieder neues stiftisches Leben in Waldsassen und im Stiftland. Es entstand das Klostergebäude mit der prächtigen Kirche. Die Burg Hardeck wurde 1708 unter dem Abt Albert Hauser in das jetzige Schloss umgebaut. Hier weilten die Klosterherren gern zu ihrem Vergnügen und hielten sich da wochenlang auf.

Durch die Säkularisation wurde 1803 das Schloss vom Kloster entbunden, sicherlich vorhandenes wertvolles Inventar verkauft oder vernichtet. Es diente Mietsleuten als Wohnung und wurde so der früheren Herrlichkeit beraubt. Während dazu gehörender Grund und Boden, Gewässer, Wald, Stallungen und Scheunen etc. bald neue Besitzer fanden, wollte niemand die verlangten 900 Gulden für das Schloss aufbringen. Die Kapelle wurde nach 1827 auf Staatskosten entfernt. Erst 1846 kaufte es es Johann Ruderer, Bauerssohn aus Altkynsberg. Er errichtete dort eine Färberei, später wurden etwa 7 Tagwerk Grundstücke dazugekauft und der innere Schlossbereich in einen kleinen Bauernhof umgewandelt. Im Jahr 1878 wurde im Burgturm eine kleine Bauerngaststube eingerichtet. Der innere Hofbereich wurde durch Scheunen und Anbauten verändert.

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