Rovinka

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Michael Rückl, Mediendesign & Medientechnik

Zwischen Neualbenreuth und Mýtina entstand in einem Zeitraum vor 100.000 bis 300.000 Jahren der Vulkan Železná hůrka (Eisenbühl). Zusammen mit dem nur 11km entfernten Komorní hůrka (Kammerbühl) im Egerbecken, den Mineralquellen von Neualbenreuth und des böhmisches Bäderdreiecks und den regelmäßig auftreteten Schwarmbeben gehört er zu den geologischen Besonderheiten des Eger-Rifts. In jüngerer Vergangenheit kam noch die überraschende Entdeckung der Maare in Mýtina und Neualbenreuth dazu, vermutlich die jüngsten in Mitteleuropa außerhalb der Eifel.

Der Ort Boden wurde 1316 erstmals urkundlich erwähnt. Es lag am Südhang des Rehberges und war von jeher Grenzdörfchen. Um 1900 lebten dort 62 Bewohner aufgeteilt auf neun Höfe mit jeweils eigenem Brunnen, die rund 120 ha Land bewirtschafteten. Die Wiesen und Feldern an den Südhängen des Rehberges waren wegen der vulkanischen Ausbruchsmassen sehr fruchtbar. Die Flur, die um Boden lag, nannte man deshalb auch „Schwarze Erde“. Das Dorf hatte ein kaiserliches Zollamt und eine Weinschänke, in der nur böhmischer, mährischer und ungarischer Wein ausgeschenkt wurde.

Am 23. August 1823 besuchte Johann Wolfgang von Goethe in Begleitung seines Dieners Stadelmann und dem Egerer Magistratsrat Joseph Sebastian Grüner den gerade einmal noch 25 Meter hohen erloschenen Vulkankegel und berichtete vom Vorkommen der Minerale der Granatgruppe, von Andalusiten und Brocken von Glimmerschiefer, die wie Eisen glänzten.

1953 wurde dem Dorf seine Lage nicht einmal 100 Meter von der Grenze entfernt zum Verhängnis. Es teilte das Schicksal mit 33 weiteren Ortschaften, die nach 1945 dem Erdboden gleichgemacht wurden, weil sie im Sperrgebiet des Grenzstreifens lagen und so hat sich die Natur die Dorfstelle in den vergangenen Jahrzehnten zurück erobert. Über den alten Hohlweg zum Dorfplatz führt mittlerweile der Zugang zum Železná hůrka (Eisenbühl), der tschechisches Naturdenkmal ist. Das Mitnehmen von vulkanischem Gestein ist unter Strafe verboten.

Übrigens: Offiziell hat Boden nie einen tschechischen Namen getragen. Allerdings war in den fünf Jahren vor der Sprengung einmal „Rovinka“ dafür im Gespräch.

Direkt an der Grenze auf dem Weg von Bad Neualbenreuth nach Mýtina (Altalbenreuth) ist zur Erinnerung an die alte Bodener Grenzstation ein Unterstand als Grenzhäuschen aufgebaut. Über diesen Fußgängergrenzübergang lässt sich Boden mit seinem Vulkan zu Fuß oder per Rad gut erreichen.

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